Forschungspreis der Helmuth von Glasenapp-Stiftung

Die Helmuth von Glasenapp-Stiftung vergibt in unregelmäßigen Abständen, jedoch maximal einmal jährlich einen Preis für methodisch hervorragende Arbeiten, die in maßgeblicher Weise zur Lösung offener Forschungsfragen auf dem Gebiet der Indologie beitragen. Die Prämierung ist primärquellenbasierten Arbeiten mit philologisch-kulturwissenschaftlicher Ausrichtung vorbehalten. Die Jury besteht aus den Mitgliedern des Verwaltungsrates der Helmuth von Glasenapp-Stiftung. Für die Teilnahme gibt es keine Begrenzung; allein Mitglieder von Vorstand und Verwaltungsrat der Helmuth von Glasenapp-Stiftung sind ausgenommen.

Zur Verleihung eingereichte Arbeiten dürfen den herkömmlichen Umfang wissenschaftlicher Essays nicht überschreiten und sollen deutlich unterhalb des Umfangs monographischer Abhandlungen liegen. Bereits veröffentlichte oder zum Druck angenommene Arbeiten sind von der Preisvergabe ausgeschlossen.

Der Preis ist auf 3.000 € beziffert.

Gegebenenfalls erforderliche Publikationsmittel können auf Antrag von der Stiftung übernommen werden.

Anträge sind in elektronischer Form unter Beigabe des Manuskripts in einem modernen Format (.docx, .rtf, .odt oder .tex) und zugleich als PDF per E-Mail bis Mitte Februar eines Geschäftsjahres formlos einzubringen.

Research Award of the Helmuth von Glasenapp-Stiftung

The Helmuth von Glasenapp-Stiftung awards a prize at irregular intervals, but no more than once a year, for methodologically outstanding work that significantly contributes to answering open research questions in the field of Indology. The prize is awarded for studies that adopt a philological and cultural approach. The jury consists of the members of the Board of Directors of the Helmuth von Glasenapp-Stiftung. There are no restrictions on participation; only members of the Executive Board and Board of Directors of the Helmuth von Glasenapp-Stiftung are excluded.

Works submitted for the award must not exceed the standard length of scholarly essays and should be significantly shorter than monographic treatises. Works that have already been published or accepted for publication are not eligible for the award.

The prize is set at € 3,000.

Any publication costs that may be required can be covered by the Foundation upon request.

Applications must be submitted informally by email in electronic form by mid-February of each fiscal year, including the manuscript in a modern format (.docx, .rtf, .odt, .tex) and simultaneously as a PDF.

Bisherige Preisträger:

Ein Foto der Preisträgerin des Forschungspreises der Helmuth von Glasenapp-Stiftung des Jahres 2018/19.
2018/19
Frau Professor Adelheid Herrmann-Pfandt
„Das Menschen- und Kinderopfer im alten und modernen Indien – Material, Interpretation, Debatte“
veröffentlicht in der ZDMG 175.2 (2025), S. 438–466

Aus der Laudatio von Roland Steiner:

Das Thema – „Das Menschen- und Kinderopfer im alten und modernen Indien“ – hat es gewissermaßen in sich, weil hier schnell der Vorwurf erhoben wird, man könne in solchen Forschungen eine – ich zitiere: – „Diskriminierung und Beleidigung der Inder“ oder eine „interkulturelle Diskriminierung“ sehen. Frau Herrmann-Pfandt weist demgegenüber zu Recht darauf hin, daß das Bild einer bestimmten Kultur – ich zitiere wieder – „nicht nur von abwertenden Vorurteilen, sondern auch von Idealisierungen freizuhalten“ sei. Im Falle der Menschenopfer handele es sich aus ihrer Sicht nicht um ein „Alleinstellungs­merkmal des Subkontinents“, sondern um „indienspezifische Formen eines archaischen, aber der gesamten Menschheit gemeinsamen Rituals“. Eine Besonderheit Indiens sei allerdings die vergleichsweise „günstigere Quellenlage“. Und genau darin liegt nun einer der Vorzüge der eingereichten Arbeit, die nämlich durch den Reichtum einschlägigen Materials besticht, was nicht verwundert, wenn man weiß, daß die Autorin hier mittlerweile auf über 20­jährige Recherchen zum allgemeinen Thema „Menschenopfer“ zurückblicken kann. Nach einer theoretischen Einleitung und dem Versuch einer Arbeitsdefinition des Begriffs „Menschenopfer“ in Abgrenzung zu anderen Formen des Tötens gibt Frau Herrmann-Pfandt einen Überblick über einige wichtige Menschenopferformen im alten und zeitgenössischen Indien, indem sie eine Reihe von Quellen auswertet, nämlich: vedische Texte, Dichtungen, Ritualanleitungen, aber auch den Aktenbestand aus der englischen Kolonialzeit zu jenen Menschenopferformen, „die die Briten bekämpft bzw. verboten und in diesem Kontext jahrelang genau beobachtet und dokumentiert haben“, wie es in ihrem Beitrag heißt; schließlich Zeitungen und Internet. In einem größeren Rahmen versucht die Autorin schließlich die gewonnenen Befunde „unter die Phänomene der allgemeinen Religionsgeschichte“ einzuordnen. Im Rahmen dieser Preisverleihung muß ich es mir aus Zeitgründen leider versagen, nun auf die vielen Details der Studie einzugehen, aber das ist auch nicht nötig, weil Sie den ganzen Beitrag voraussichtlich in einem der nächsten Hefte der ZDMG werden lesen können. Der Forschungspreis der Helmuth von Glasenapp-Stiftung 2019 geht also an den Beitrag von Frau Professor Adelheid Herrmann-Pfandt, die ich dazu im Namen der Jury ganz herzlich beglückwünschen möchte!